Blog

Gescannte Fotos restaurieren

Ein Schuhkarton mit Abzügen, ein Flachbettscanner und die Hoffnung, das Gesicht der Großmutter wieder scharf zu sehen: Der häufigste Fehler passiert lange vor der KI, nämlich beim Scannen. Ein zu klein oder falsch eingestellt gescanntes Foto lässt sich später nicht retten, weil die Information schlicht nicht in der Datei steckt. Dieser Text erklärt, mit welcher Auflösung du scannst, was die Restaurierung leisten kann und wo sie erfindet, in welcher Reihenfolge die Werkzeuge laufen sollten und wann Referenzfotos den Unterschied zwischen einem fremden und einem wiedererkennbaren Gesicht machen.

Richtig scannen ist die halbe Arbeit

Die Scanauflösung richtet sich nach der Größe des Originals, nicht nach dem Wunschergebnis. Zwei Richtwerte reichen für fast alles:

  • Kleine Abzüge, etwa 10 × 15 cm: 600 dpi. Das ergibt rund 2360 × 3540 Pixel, also etwa 8 Megapixel. Genug Substanz, damit ein Gesicht im Bild mehrere hundert Pixel hoch ist – die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas zu rekonstruieren ist.
  • Größere Originale, etwa 20 × 30 cm oder A4: 300 dpi. Ein A4-Original liefert damit schon rund 2480 × 3500 Pixel. Bei 600 dpi wären es etwa 35 Megapixel und damit mehr, als die Restaurierung annimmt (Grenze: 20 Megapixel). In dem Fall scannst du mit 300 bis 400 dpi oder schneidest vorher auf den relevanten Ausschnitt zu.

Immer in Farbe scannen, auch bei Schwarz-Weiß-Abzügen. Der Sensor liefert dann drei Kanäle statt einem. Das hilft doppelt: Vergilbung und Sepiastich lassen sich später sauber neutralisieren, und die Entrauschung hat mehr Information zum Vergleichen. Ein Graustufen-Scan wirft diese Reserve weg, bevor du sie nutzen kannst.

Speichere als TIFF oder JPEG in höchster Qualität. Das voreingestellte „für E-Mail“-Profil vieler Scannerprogramme produziert 200-KB-Dateien, in denen die feinen Tonabstufungen bereits verloren sind – daran scheitert später jede Restaurierung. Schalte außerdem die Automatiken des Treibers aus: Nachschärfen, Autokontrast und die softwareseitige Staubentfernung malen ins Bild, bevor du eine Entscheidung treffen konntest. Neutral scannen, später korrigieren.

Vor dem Scannen fünf Minuten Handarbeit: Scannerglas mit einem fusselfreien Tuch reinigen, Staub vom Abzug pusten (ein Blasebalg ist besser als Anpusten, Speichertröpfchen hinterlassen Flecken), das Foto plan auflegen und den Deckel schließen. Jedes Staubkorn wird sonst mitvergrößert, und die KI hält es für Bildinhalt. Gewellte Abzüge legst du am besten eine Nacht unter einen Stapel Bücher.

Kein Scanner zur Hand? Ein Handyfoto ist die Notlösung: senkrecht von oben, indirektes Tageslicht statt Blitz, keine Spiegelung im Glanzpapier, das Foto gerade ausrichten. Das Ergebnis bleibt schlechter als ein Scan, reicht für ein Familienarchiv aber oft aus. Mehrere Abzüge in einem Durchgang zu scannen ist effizient – für die Restaurierung schneidest du sie danach trotzdem einzeln zu.

Was die KI kann – und was nicht

Realistische Erwartungen ersparen Enttäuschungen. Möglich ist:

  • Gesichtszüge rekonstruieren: Augen, Wimpern, Haut, Haaransatz werden aus einem verwaschenen Gesicht wieder herausgearbeitet.
  • Korn, Scanrauschen und Filmkörnung entfernen, ohne echte Kanten zu verschlucken.
  • Schärfe zurückholen und das Bild dabei ×2 vergrößern, sodass der Ausdruck wieder Substanz hat.
  • Farbe ergänzen, wenn das Original schwarz-weiß ist.

Nicht möglich ist, zu erfinden, was nie in der Datei war. Eine zerrissene, verbrannte oder komplett ausgeblichene Stelle wird mit etwas Plausiblem gefüllt, nicht mit der Wahrheit. Das Ergebnis sieht überzeugend aus, und genau darin liegt das Risiko: Ein Muster auf einem Kleid, die Schrift auf einem Ladenschild, das Nummernschild eines Autos – all das wird geraten, wenn es im Original nur noch ein grauer Fleck ist. Für Archivzwecke oder als Beleg solltest du deshalb immer den unbearbeiteten Scan behalten; die restaurierte Fassung ist eine Interpretation, keine Quelle.

Auch die Größe setzt eine harte Grenze. Ein Gesicht, das im Scan nur wenige Dutzend Pixel hoch ist – etwa auf einem Gruppenfoto oder einem winzigen Passbild –, enthält zu wenig Information. Das Modell füllt die Lücke mit dem, was es gelernt hat, und heraus kommt ein hübsches, aber fremdes Gesicht. Genau dagegen helfen Referenzfotos, dazu weiter unten mehr.

Kratzer, Risse, Klebestreifen und Fleckenränder sind nicht die Aufgabe der Restaurierung, sondern eines anderen Werkzeugs: Bei Objekte entfernen übermalst du den Schaden mit dem Pinsel, und die Fläche wird aus der Umgebung heraus gefüllt. Sinnvoll ist es, diesen Schritt nach der Restaurierung zu machen, wenn die Kanten des Bildes bereits klar sind.

Die richtige Reihenfolge: erst Rauschen, dann Gesichter, dann Farbe

Jedes Modell interpretiert, was man ihm hinlegt. Deshalb entscheidet die Reihenfolge über das Ergebnis, nicht nur die Auswahl der Werkzeuge. Korn ist für einen Vergrößerer eine Textur, die er treu verstärkt; für ein Gesichtsmodell sieht Korn wie Hautstruktur aus; für eine Kolorierung ist es eine Ansammlung winziger Kontraste, aus denen Farbflecken werden. Rauschen zuerst zu entfernen, nimmt allen drei Schritten diese Fehlerquelle.

Schritt 1 – Rauschen. Bildrauschen entfernen auf den frischen Scan anwenden. Bei alten Abzügen ist eine Stärke um 50 bis 60 Prozent oft besser als 100: Es bleibt etwas Textur stehen, und das Bild wirkt nicht wächsern. Ist der Scan nur leicht körnig, kannst du diesen Schritt überspringen – die Restaurierung säubert den Hintergrund ohnehin mit.

Schritt 2 – Gesichter und Auflösung. Jetzt Alte Fotos restaurieren auf der sauberen Datei. Der Hintergrund wird bereinigt und ×2 vergrößert, jedes erkannte Gesicht wird rekonstruiert. Auf einer entrauschten Vorlage arbeitet das Gesichtsmodell präziser, weil es echte Konturen findet statt zufälliger Körner.

Schritt 3 – Farbe. Die Kolorierung kommt zuletzt. Auf einem Bild mit klaren Kanten kann das Modell Objekte auseinanderhalten, und die Farbe bleibt innerhalb der Konturen statt über sie hinauszulaufen. Du kannst das Häkchen „Kolorieren“ direkt in der Restaurierung setzen – das ist der bequeme Weg – oder Schwarz-Weiß-Fotos kolorieren separat aufrufen. Separat hast du mehr Kontrolle: Du wählst zwischen einer natürlichen und einer kräftigen Variante und stellst die Intensität ein.

Zwei Dinge, die nicht funktionieren. Erstens: dasselbe Gesichtsmodell zwei- oder dreimal hintereinander laufen zu lassen. Die Ähnlichkeit steigt dadurch nicht, es verstärkt sich nur die Handschrift des Modells, bis alle Gesichter dieselbe glatte Haut haben. Zweitens: das Bild zuerst zu vergrößern und dann zu entrauschen – das Rauschen ist dann bereits Teil der neuen Pixel. Wenn am Ende gedruckt werden soll, kommt Bild vergrößern als letzter Schritt, nach der Restaurierung.

Wann Referenzfotos helfen

Bei leicht bis mittel beschädigten Fotos reicht die normale Restaurierung. Bei stark degradierten Vorlagen – einem abfotografierten Bildschirm, einem verwaschenen Passbild, einem Gesicht aus der hinteren Reihe eines Gruppenfotos – passiert dagegen regelmäßig dasselbe: Das Ergebnis ist scharf, sieht gut aus und zeigt nicht mehr die Person. Das Modell hat zu wenig Substanz gefunden und ist auf ein Durchschnittsgesicht zurückgefallen. Wer die Person kannte, merkt es sofort, auch ohne es benennen zu können.

Dagegen hilft ein Hinweis auf die Identität. Gib der Restaurierung ein bis drei scharfe Fotos derselben Person mit, dann baut das Modell das Gesicht anhand ihrer Merkmale auf statt anhand des Durchschnitts. Ein einziges gutes Referenzfoto reicht in der Regel; mehrere helfen vor allem dann, wenn sie Blickrichtung und Lichtsituation variieren.

Eine brauchbare Referenz ist: scharf, das Gesicht groß im Bild, frontal oder leicht gedreht, ohne Sonnenbrille und ohne halb verdeckten Mund, und aus einem möglichst ähnlichen Lebensalter. Ein Gruppenfoto, auf dem der Kopf 80 Pixel hoch ist, bringt nichts – es ist genauso arm an Information wie die Vorlage, die du retten willst.

Der Regler Fidelität steuert, wie weit sich das Ergebnis vom Original entfernen darf. Am oberen Anschlag rekonstruiert das Modell maximal; weiter unten bleibt mehr vom echten Gesicht stehen – der Ausdruck, die Mundwinkel, der Blick. Bei stark beschädigten Vorlagen liegt der brauchbare Bereich meist in der Mitte bis oberen Mitte und nicht am Anschlag, weil ganz oben zwar die Schärfe stimmt, aber der Gesichtsausdruck kippt.

Nach dem Durchgang bekommst du mehrere Kandidaten zu sehen, jeweils mit einem gemessenen Ähnlichkeitswert zu deinen Referenzen. Nimm den Wert als Hinweis, nicht als Urteil: Die Messung vergleicht Merkmale, aber das letzte Wort hat, wer die Person gekannt hat. Der Durchgang dauert ein bis zwei Minuten, und die Referenzfotos werden genauso gelöscht wie das Foto selbst.

Schritt für Schritt in Airpic

  1. Scan vorbereiten: einzeln zuschneiden, gerade drehen, unter 20 Megapixel halten. Bei Bedarf vorher entrauschen (siehe Reihenfolge oben).
  2. Öffne Alte Fotos restaurieren. Kein Konto, keine Installation.
  3. Scan hochladen: JPG, PNG (auch mit Alphakanal und 16 Bit), WebP, TIFF, HEIC oder AVIF. Die EXIF-Ausrichtung wird angewendet, das Farbprofil bleibt erhalten.
  4. Optionen setzen: Gesichter verbessern an, ×2 vergrößern an, Kolorieren nur bei Schwarz-Weiß-Vorlagen. Den Regler stellst du auf einen mittleren Wert, wenn das Original stark beschädigt ist.
  5. Bei schlechten Vorlagen bis zu drei Referenzfotos derselben Person hinzufügen. Eines genügt oft.
  6. Auf Bild verarbeiten klicken. Verarbeiten und Ansehen kostet nichts – du entscheidest erst nach dem Ergebnis.
  7. Ergebnis prüfen: am Vergleichsregler und über die Ansicht bei 100 Prozent, und zwar gezielt am Gesicht. Wenn Kandidaten angeboten werden, wähl den, den du wiedererkennst.
  8. Herunterladen. Ein vollständiger Download pro Monat ist frei, danach brauchst du Credits, die nicht verfallen; die aktuellen Konditionen stehen auf der Seite des Tools.

Danach: Kratzer und Risse mit Objekte entfernen übermalen, fürs Drucken mit Bild vergrößern auf die Endgröße bringen und für den Versand an die Familie mit Bild komprimieren leichter machen – letzteres ist komplett kostenlos. Wenn die Fotos als HEIC vom iPhone kommen, wirf vorher einen Blick in HEIC in JPG umwandeln.

Zum Datenschutz, weil es bei Familienfotos zählt: Die Verarbeitung läuft auf GPUs in der Europäischen Union. Deine Datei und deine Referenzfotos werden eine Stunde nach dem Download gelöscht, spätestens nach einem Tag, und sie werden nie zum Training von Modellen verwendet. Es gibt kein Konto, keinen Verlauf und keine Kopien.

FAQ

Mit welcher Auflösung soll ich alte Fotos scannen?

Bei kleinen Abzügen um 10 × 15 cm mit 600 dpi, das ergibt rund 8 Megapixel. Bei größeren Originalen wie 20 × 30 cm oder A4 reichen 300 dpi. Scanne immer in Farbe, auch bei Schwarz-Weiß-Abzügen, und speichere als TIFF oder JPEG in höchster Qualität.

Kann die KI zerrissene oder verbrannte Stellen wirklich reparieren?

Sie füllt die Lücke mit etwas Plausiblem, nicht mit der Wahrheit. Was im Original nicht mehr vorhanden ist, kann kein Modell zurückholen. Für Kratzer und Risse gibt es das Werkzeug zum Entfernen von Objekten; für Archivzwecke solltest du den unbearbeiteten Scan zusätzlich aufbewahren.

Bleibt das restaurierte Gesicht dieselbe Person?

Bei einer halbwegs erkennbaren Vorlage ja, das Modell geht vom echten Gesicht aus. Bei sehr kleinen oder stark beschädigten Gesichtern neigt es zu einem Durchschnittsgesicht. Dann hilft ein bis drei Referenzfotos derselben Person, und über den Fidelitätsregler steuerst du, wie viel vom Original stehen bleibt.

Werden meine Familienfotos gespeichert?

Nein. Verarbeitet und gelöscht: eine Stunde nach dem Download, spätestens nach einem Tag. Keine Kopien, keine Vorschaubilder, kein Verlauf, und es wird nichts zum Training verwendet. Die Verarbeitung findet auf GPUs in der Europäischen Union statt.

Lad deinen Scan hoch und sieh das Ergebnis, bevor du dich entscheidest.

Weiterlesen

HEIC in JPG umwandeln

So wandelst du HEIC-Fotos vom iPhone in JPG, WebP oder AVIF um: ohne Farbverschiebung, ohne gedrehte Bilder und ohne zweite Kompression.

Produktfotos mit weißem Hintergrund

Weißer Hintergrund für Amazon, eBay und Etsy: worauf die Marktplätze achten, warum Freisteller einen hellen Rand bekommen und wie du ihn vermeidest.